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Unter dem "Goldenen Mittelalter" versteht man eine zinsfreie Zeit
zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert. Ganze 300 Jahre lebten die
Menschen ohne Geldsorgen und Arbeitsdruck. Dies funktionierte nach einem
Prinzip des gebührenpflichtigen Geld umtauschs, wobei der Geldbesitzer
zweimal jährlich sein Geld dieser Prozedur unter- werfen sollte. Um
diese Gebühren zu sparen, konnte das Geld zinsfrei verliehen werden (nur
der momentane Besitzer hatte die Gebührenpflicht), wobei auch der
Leihende davon profitierte, da ihm so die Zinsen erlassen wurden. Da es
durch die Gebührenpflicht langsam "lästig" wurde, Geld zu besitzen, kam
es zu weitläufigen Investitionen. Das führte zu einem großen Aufschwung
im Handwerk und Kunst. So kam es in dieser Zeit zum Bau vieler
Kathedralen und Entwicklung der Gotik. Die Bauten entstanden oft aus
freiwilligen Spenden der Bürger, die es sich leisten konnten, da
allgemeiner "Wohlstand" herrschte. Auch die meisten Städte wurden in
dieser Zeit gegründet. Um 1450, als das Zinsgeld wieder eingeführt
wurde, beginnt das sog. "Finstere Mittelalter".
1521 wurde die Fuggerei von Jakob Fugger dem Reichen als Wohnsiedlung
für bedürftige Augsburger Bürger gestiftet. Sie ist die älteste
bestehende Sozialsiedlung der Welt. Die Jahres(kalt)miete für eine
Wohnung in der Fuggerei beträgt bis heute den nominellen Gegenwert eines
Rheinischen Gulden, derzeit 0,88 Euro sowie täglich drei Gebete für den
Stifter und seine Familie. In den 140 Wohnungen der 67 Häuser wohnen
derzeit rund 150 Menschen. Prominentester Bewohner der Fuggerei war der
Maurermeister Franz Mozart, der Urgroßvater des Komponisten W.A. Mozart.
Die Fuggerei ist eine „Stadt in der Stadt“ mit einer Kirche, Mauer und
drei Toren. Bis heute wird die Sozialsiedlung nahezu ausschließlich aus
dem Stiftungsvermögen (Forstwirtschaft und Immobilien) finanziert. Die
Sozialsiedlung wird durch die Fürstlich und Gräflich Fuggersche
Stiftungs-Administration verwaltet.
Soviel finden wir in “Wikipedia“ und den Geschichtsbüchern über die
Fugger aus Augsburg.
Dass die Stiftung nur möglich war, weil zuvor das Volk durch hohe Zinsen
(Rutschzinsen) ausgeplündert wurde, wird nirgends erwähnt.
Wie ist das mit den Stiftungen heute?
Es gibt kaum einen Sportler oder berühmte Persönlichkeiten, die keine
Stiftung in´s Leben rufen. Wer als Fußballer, Boxer, Tennisspieler,
Unternehmer, Star, Schauspieler, Politiker viel Geld “verdient“ hat, hat
auch die Möglichkeit, eine Stiftung zu gründen.
Dabei ist der eigene Nutzen nicht zu unterschätzen (Öffentliches
Ansehen).
Es stellt sich die Frage, wer sind heute die Fugger von damals?
Noch heute befinden wir uns in diesem finsteren Mittelalter. An
Wohlstand für alle ist nicht zu denken. Wir erleben immer mehr Armut für
Viele und Reichtum für Wenige.
Das goldene Mittelalter wurde abgelöst und durch machtsüchtige Kaufleute
zog das finstere Mittelalter auf.
Das Mittelalter
Das Mittelalter wird heute meist mit negativen Vorstellungen von
Unterdrückung und Leibeigenschaft verbunden. Kaum jemand beachtet, dass
diese Zeit in eine goldene und eine finstere Periode zu trennen ist.
Dabei wird die goldene Zeit durch die Gotik dargestellt und kann mit dem
Zeitraum von 1150 bis 1450 eingegrenzt werden. Zu Beginn des
Mittelalters war es üblich, bei einem Herrscherwechsel die Münzen
einzuziehen und neu zu prägen. Um 1150 begann Erzbischof Wichmann
(1110-1192) aus Magdeburg damit, Münzen herauszugeben, welche zweimal im
Jahr zum Umtausch aufgerufen wurden. Ziel war es, die Steuern einfach
und regelmäßig einzutreiben. Dabei wurden 12 alte Pfennige gegen 9 neue
ausgetauscht, die Differenz war Steuer.
Um die Münzen schnell und ohne viel Aufwand wieder einschmelzen und
umprägen zu können, waren sie nur einseitig geprägt und aus dünnem
Blech, daher ihr Name “Brakteaten” (bractes = dünnes Blech). Bald schon
breitete sich diese Methode über das ganze Land aus. Das führte dazu,
dass sich Geldhortung nicht mehr lohnte. Um dem nächsten Umtausch zu
entgehen, wurde Geld zinslos weiterverliehen, da nur der Besitzer der
Münzen die Umtauschgebühr zahlen musste. Damit war Geld wieder reines
Tauschmittel, nicht mehr Schatzmittel. Das Ergebnis war die größte
Entwicklungsperiode der deutschen Geschichte.
Damals waren die sozialen Unterschiede so ausgeglichen wie nie mehr im
historischen Verlauf. Wer viel hatte, erwarb den Wohlstand durch Arbeit,
nicht durch leistungslose Zinsen. Das Minimum der arbeitsfreien Tage pro
Jahr lag bei 90, oftmals über 150. Sehr bald wurde auch der Montag als
arbeitsfrei eingeführt, damit mussten die Handwerker nur 4 Tage in der
Woche arbeiten. Noch am Ausgang dieses Zeitalters, um 1450, konnte
Erzbischof Antonin von Florenz es als selbstverständlich bezeichnen,
dass für die Gewinnung des notwendigen Lebensunterhaltes eine kurze
Arbeitszeit genüge und dass nur derjenige lange und viel arbeiten müsse,
der nach Reichtum und Überfluss strebe. Die tägliche Arbeitszeit war
z.B. bei Bergwerksknappen in Freiburg auf 6 Stunden begrenzt. Auch auf
dem Land war die Ausbeutung zurückgedrängt, weil der geknechtete Bauer
die Möglichkeit hatte, in den schnell wachsenden Städten einem Handwerk
nachzugehen.
Das Einkommen war so hoch, dass sich etwa in Augsburg ein Tagelöhner mit
seinem täglichen Verdienst 5-6 Pfund des teuersten Fleisches leisten
konnte. In Meißen mussten jedem Maurergesellen wöchentlich 5 Groschen
Badegeld gegeben werden, in einer Zeit, in der ein einziger Scheffel
Korn 6 Groschen und 5 Pfennige kostete. Der sächsische Scheffel fasste
103,8l.
Deutlich geht aus diesen Beschreibungen
hervor, dass von einer Ausbeutung der Arbeitskraft und Leistungsdruck,
wie oft behauptet, gar keine Rede sein kann. Dabei lebte der Mensch
damals nicht um zu arbeiten, sondern er arbeitete um zu leben. Wie
gewaltig dieser wirtschaftliche Aufschwung gewesen sein muss, zeigt die
Entwicklung der Städte in Deutschland.
Um 1300 wurde ein Höhepunkt der Städteneugründungen, als Maß für die
wirtschaftliche Entwicklung, erreicht, welcher in der ganzen Geschichte
vor und nach dieser Zeit nie mehr erreicht wurde. In der Zeit von
1150-1450 wurden die großen Dome und Kathedralen in Europa gebaut.
Finanziert durch freiwillige Spenden der Bürger. Allein schon hieraus
wird deutlich, wie zuversichtlich die Menschen damals gewesen sein
mussten. Wer spendet schon für ein Jahrhundertprojekt, wenn er schon
morgen nicht weiß, ob er noch leben wird.
Immerhin wurde in dieser Zeit die größte Zahl von Kulturdenkmälern im
abendländischen Raum begründet. Dabei muss auch beachtet werden, dass
die Einwohnerzahl von Deutschland damals viel geringer war als heute und
es trotzdem durch ein optimales Wirtschaftssystem möglich war, große
Leistungen zu erbringen. Wie zuversichtlich die Menschen damals sein
mussten, zeigt die Tatsache, dass die begonnenen Bauten viele Jahrzehnte
oder Jahrhunderte zur Fertigstellung benötigten. Das Beispiel zeigt,
dass es Konjunktureinbrüche oder Wirtschaftskrisen gar nicht gegeben
hat, da sonst solche Großprojekte nicht möglich gewesen wären. Die Stadt
Ulm begann beispielsweise im Jahr 1377 damit, einen Münster zu bauen,
der die doppelte Einwohnerzahl von damals 10.000 Leuten fassen konnte.
Interessant ist auch der Lebenswandel damals. So berichtete eine
Schrift: “Das gewöhnliche Volk hat selten bei der Mittags- oder
Abendmahlzeit weniger als 4 Gerichte, zur Sommerszeit überdies noch
morgens als Frühstück Klöße mit in Butter gebackenen Eiern und Käse;
obendrein nehmen sie außer dem Mittagsmahl noch des Nachmittags das
Vesperbrot sowie zum Nachtessen Käse, Brot und Milch.” Die Vorstellung
vom armseligen Hungergericht entspricht also keineswegs der Tatsache.
Genauso sind Bauernhochzeiten überliefert, in denen eine Woche lang
Überfluss herrschte. Der allgemeine Reichtum zeigte sich auch an der
Kleidung, so trugen die Bauern Silberknöpfe und die Kleidung war
insgesamt sehr farbenfroh.
Es gab Berichte, nach denen es kaum eine Gaststätte in Deutschland gab,
in welcher man nicht aus Silbertellern zu essen bekam. Auch eine
Ausbeutung über Bodenrente wurde oftmals dadurch verhindert, indem die
festen Kosten der Stadtverteidigung auf den Grundbesitz umgelegt wurden.
So verfügte Worms, dass jeder Bodeneigentümer “Wachtgeld” zu entrichten
habe.
Die Situation änderte sich, als auf Druck von machtsüchtigen Kaufleuten
hin, schrittweise Geld eingeführt wurde, welches nicht mehr verrufen
wurde. Mit der schrittweisen Einführung des “Ewigen Pfennigs” verschob
sich damit die Vermögensverteilung innerhalb weniger Jahrzehnte so
drastisch, dass die gotischen Bauten aus Geldmangel in ganz Mitteleuropa
nicht mehr fertiggestellt werden konnten.
Überall in Europa wurden die Dome mehr als 300 Jahre nicht weitergebaut
und erst im letzten Jahrhundert vollendet. Die wirtschaftliche Situation
der Bevölkerung verschlechterte sich so stark, dass es Anfang des 16.
Jahrhunderts zu blutigen Bauernkriegen kam. Die Zünfte waren nicht mehr
für jeden frei, für die meisten war der Weg in die Selbständigkeit
versperrt, es entstand eine neue Schicht der abhängigen Lohnarbeiter.
Gleichzeitig wurden neue Entdeckungen und Erfindungen unterdrückt. So
wurde beispielsweise der Vorläufer des mechanischen Webstuhls 1586 von
der Zunft verboten und der Erfinder ermordet. Da sich die Menschen die
schnelle wirtschaftliche Verschlechterung nicht erklären konnten, kam es
zu Hexenverbrennungen, die ab 1484 zunehmend veranstaltet wurden. Das
Augsburg der Fugger gehörte mit zu den ersten Plätzen, an denen die
Münzverrufung auf 4 Jahre hinausgeschoben wurde. Geld wurde dann nur
noch hochverzinst verliehen. Beispielsweise brachte eine Anlage von 900
Gulden nach 6 Jahren 30.000 Gulden Zinsertrag. Bei den dem Bauern
auferlegten Geldabgaben musste er im Falle von Säumigkeit Zinsen zahlen,
und zwar nach dem sogenannten “Rutscherzins” für jeden Tag des Verzuges
den verdoppelten Zinssatz.
Nach vollständiger Einführung des Dickpfennigs (beidseitig geprägtes
schweres Geld) konnten die Fugger sich zwischen 1480 und 1560 zu einer
der mächtigsten Familien der damaligen Welt aufschwingen. Das finstere
Mittelalter zog herauf.
Wie wird unsere Zukunft aussehen?
Die Entwicklung unseres Finanzsystems läuft, wie gezeigt wurde, auf
einen Endpunkt zu. Durch den Zins kommt es zu einer explodierenden
Schuldenlast und auf der anderen Seite zur entsprechenden Vermehrungen
der Geldvermögen bei wenigen Superreichen. Um die wachsenden
Zinsforderungen erfüllen zu können, wird der einzelne durch den Staat
und am Arbeitsplatz ausgebeutet. Die Globalisierung verschärft die
Situation zusätzlich, da nun ganze Nationen in einen rücksichtslosen
Verdrängungswettbewerb gezwungen werden.
In diesem System spielt die Sicherung der Lebensgrundlagen eine immer
kleinere Rolle, der Umweltschutz verkommt zum bloßen Schlagwort, da
Wachstum, zur Bedienung der Schulden, absoluten Vorrang erhält.
Auch die Kultur muss unter diesen Umständen verfallen, was sich
besonders in der Politik feststellen lässt. Die Politik ist letztlich
nur noch ein Erfüllungsgehilfe der reichen Oberschicht und soll durch
restriktive Maßnahmen die Schuldenzahlungen der Bevölkerung
sicherstellen. Durch die Nähe der Regierenden zur reichen Klasse
degenerieren diese zunehmend und werden für Korruption zugänglich. Jeder
Bereich der Gesellschaft wird im Zinssystem zwangsläufig pervertiert,
die eigentlichen gesellschaftlichen Werte werden entwertet, da nur noch
die Rendite zählt. Schöpferische Arbeit wird abfällig beurteilt, während
leistungslose Zinsgewinne in der Gesellschaft an Ansehen gewinnen. Dabei
ist dieses System allerdings von vornherein zum Zusammenbruch
verurteilt, weil die Zinslasten letztlich schneller wachsen als die
reale Produktion und damit einen immer größeren Teil der Wertschöpfung
beanspruchen. Auf der anderen Seite ermöglicht ein wachsendes
Geldvermögen einer kleinen Gruppe Superreicher schließlich, alle
Geschicke des Landes gezielt zu beeinflussen. Durch die Einführung der
Kunstwährung “Euro” hat
sich die Herrschaft des Kapitals drastisch verschärft. Die
Währungskrisen der letzten Jahre stellen in diesem Ablauf nur die ersten
Vorzeichen eines gewaltigen Zusammenbruchs dar. Dabei bereitet sich die
reiche Oberschicht offenbar gezielt auf einen solchen Schlag vor.
Der Aktienmarkt wird beispielsweise angeheizt, um einen großen Teil der
Bevölkerung zur Investition an der Börse zu animieren. Das ermöglicht
der privilegierten Klasse den Ausstieg aus dem Aktienmarkt. Gleichzeitig
werden die Finanzzentren gebündelt, um im Crash das eigene Vermögen zu
sichern und eine effektive Umverteilung der Ersparnisse vom Mittelstand
zu den Superreichen zu bewerkstelligen. Auch für die weitere Entwicklung
nach dem Crash werden anscheinend intensive Vorbereitungen getroffen, um
die Entwicklung im Griff zu behalten.
So wird schon seit einiger Zeit ein effizientes Überwachungsnetz
aufgebaut, das es den Machthabern ermöglichen würde, jeden Unmut in der
Bevölkerung gewaltsam zu unterdrücken. Es besteht die reale Gefahr, dass
unser System in einer Diktatur endet.
Auch die Entwicklung eines Weltkrieges ist nach dem wirtschaftlichen
Zusammenbruch durchaus vorstellbar. Da der finanzielle Niedergang
weltweit erfolgen wird, werden sich auch die Lebensumstände der Menschen
drastisch verschlechtern. Dadurch wächst die Gefahr, dass es in allen
Krisenregionen weltweit zu gewaltsamen Konflikten kommt.
Für Mitteleuropa stellt hier vor allem das große Waffenpotential
Russlands ein nicht zu unterschätzendes Risiko dar. Es ist durchaus
denkbar, dass dieses Land nach einem völligen Zerfall des
Wirtschaftssystems keine andere Möglichkeit mehr sieht, als eine
Eroberung Mitteleuropas anzustreben. Fatalerweise befindet sich unsere
militärische Situation bereits vor der Krise in katastrophalem Zustand
und wird sich nach dem Crash noch wesentlich weiter verschlechtern.
Dabei müsste es gar nicht so weit kommen, wenn die Menschen nicht immer
den leeren Versprechen der
Mächtigen erliegen würden. Eine Behebung der Fehler im Geldsystem wäre
jederzeit durch eine Währungsreform möglich. Dies setzt allerdings eine
aufgeklärte, an einer Besserung der Lage interessierte Bevölkerung und
eine verantwortliche Führung voraus.
Wohin die Entwicklung unserer Welt letztlich geht, hängt nicht zuletzt
von der Einstellung und dem Willen eines jeden einzelnen ab. Hier hilft
es wenig, auf Führungskräfte oder eine “Mehrheit” zu vertrauen. Einmal
haben die bisher leitenden Kräfte in Krisensituationen schon immer
versagt und Fortschritte wurden in der Menschheitsgeschichte
ausschließlich durch Minderheiten in Gang gesetzt. Selbst wenn dieses
System in der schlimmsten Krise aller Zeiten untergeht, ist dies immer
noch besser, als wenn sich die Umstände über einen langen Zeitraum
verschlechtern.
Wie alles Kranke in der Natur untergehen muss, damit Neues entstehen
kann, so muss auch das explodierende Zinssystem letztlich zerfallen. Ein
kompletter Zusammenbruch stellt dabei nicht nur ein fürchterliches
Ereignis dar, sondern ist auch eine Chance für alle schaffenden Kräfte,
eine neue, bessere Ordnung zu etablieren. Jeder ist deshalb dazu
aufgerufen, seinen Beitrag zur Schaffung einer besseren Welt zu leisten.
Hierzu finden Sie einen Interessanten Link über den Aufsatz von Prof.
Dr. Kremer:
http://www.humane-wirtschaft.de/2010_06/HW_2010_06_S02-07.pdf
Von
Silvia Schalamow, August 2011
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